Viele schweigen aus Angst, Scham oder weil sie den Partner nicht verlieren wollen. Eine umfangreiche neue Dunkelfeldstudie deckt erschreckende Zahlen zu Gewalt in Familien und Partnerschaften auf.
Die von der Polizei registrierten sexuellen Ćbergriffe auf frauen-8715350.html» title=»frauen» class=»taxonomy-entity keyword»>Frauen in Deutschland bilden nur einen verschwindend kleinen Teil der verübten Straftaten ab. Das zeigen die Daten einer umfangreichen Studie im Auftrag der Bundesregierung. Demnach werden Frauen zwar deutlich hƤufiger Opfer sexueller Ćbergriffe als MƤnner, bringen diese jedoch deutlich seltener zur Anzeige als mƤnnliche Opfer. Den Angaben zufolge wurden 1,5 Prozent der Frauen und 0,2 Prozent der MƤnner in den vergangenen fünf Jahren Opfer einer Vergewaltigung.
Frauen zeigen nur drei Prozent der sexuellen Ćbergriffe anĀ
Die Anzeigequote weiblicher Opfer liegt bei diesen Taten, zu denen Vergewaltigungen und andere nicht einvernehmliche sexuelle Handlungen zƤhlen, demnach bei drei Prozent. MƤnnliche Opfer zeigen entsprechende Ćbergriffe laut Studie in 14,5 Prozent der FƤlle an. Allerdings weisen die Forscherinnen und Forscher darauf hin, dass die Anzeigequote der MƤnner aufgrund der niedrigen Zahl von FƤllen mit Messungenauigkeit verbunden sei.
Auch fƤllt auf, dass ein nicht unerheblicher Anteil der Sexualdelikte, die MƤnner betreffen, auch von MƤnnern verübt wird. WƤhrend bei gegen Frauen gerichteten sexuellen Ćbergriffen die TƤter zu 98,2 Prozent mƤnnlich sind, ist bei 33,7 Prozent der gegen MƤnner gerichteten sexuellen Ćbergriffe auch der TƤter ein Mann.Ā
Aufwendige Befragung über 18 Monate
Die reprƤsentative Dunkelfeldstudie mit dem Titel «Lebenssituation, Sicherheit und Belastung im Alltag» – für die zwischen Juli 2023 und Januar 2025 bundesweit insgesamt 15.479 Menschen im Alter zwischen 16 und 85 Jahren befragt worden waren – beantwortet auch einige Fragen, die nicht Gegenstand der jƤhrlich verƶffentlichten Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) sind, da diese nur Delikte umfasst, die der Polizei bekanntgeworden sind.Ā
Das Wichtigste zu Frauen
Dunkelfeldstudien versuchen, das tatsƤchliche AusmaĆ von KriminalitƤt aufzudecken, da nicht alle Taten zum Beispiel aus Scham oder Misstrauen angezeigt werden.Ā
GewalttƤtige Partner und Ex-Partner
Blickt man auf die Gewalt zwischen Partnern oder Ex-Partnern, so zeigt sich: Etwa 90 Prozent der kƶrperlichen Gewalt hat sich hier innerhalb der Partnerschaft ereignet. 8,4 Prozent der mƤnnlichen Betroffenen und 5,6 Prozent der weiblichen Betroffenen berichten von kƶrperlicher Gewalt nach Beendigung der Beziehung.Ā
Dass diese jedoch hƤufig sehr gravierende Folgen haben kann – vor allem für Frauen, zeigt die Polizeistatistik. 2024 sind in Deutschland 308 Frauen und MƤdchen gewaltsam getƶtet worden, 191 davon durch Partner, Ex-Partner oder andere Familienmitglieder. Bundesweite Zahlen für 2025 liegen bislang nicht vor.
Um Frauen künftig besser vor gewalttƤtigen Ex-Partnern zu schützen, hat das Bundeskabinett im November beschlossen, dass Familiengerichte die TƤter künftig zum Tragen einer elektronischen FuĆfessel verpflichten kƶnnen sollen. NƤhert sich der TƤter – wissentlich oder unwissentlich -, wird das Opfer über ein EmpfangsgerƤt gewarnt und kann sich gegebenenfalls rechtzeitig in Sicherheit bringen oder Unterstützung suchen. Auch die Polizei soll automatisch alarmiert werden, wenn sich ein TƤter nƤhert. DemnƤchst steht die erste Beratung zu dem Vorhaben im Bundestag an.
Gewalt in der Kindheit
Was die Studie auch aufdeckt: Jeder zweite Mensch in Deutschland hat in der Kindheit oder Jugend kƶrperliche Gewalt erfahren. Die Daten zeigen, dass 49,3 Prozent der Frauen als MinderjƤhrige mindestens einmal geschlagen oder kƶrperlich verletzt wurden. Unter den MƤnnern lag der Anteil bei 51,7 Prozent. Von sexuellen Ćbergriffen in der Kindheit und Jugend waren demnach deutlich mehr Frauen (fünf Prozent) betroffen als MƤnner (1,9 Prozent).Ā
Frauen erklƤrt
SchlƤge in der Kindheit sind in Deutschland ausdrücklich verboten. Im entsprechenden Paragrafen des Bürgerlichen Gesetzbuches heiĆt es wƶrtlich: «Das Kind hat ein Recht auf Pflege und Erziehung unter Ausschluss von Gewalt, kƶrperlichen Bestrafungen, seelischen Verletzungen und anderen entwürdigenden MaĆnahmen.»
Sexuelle BelƤstigung mit und ohne Kƶrperkontakt
Das von der Bundesregierung beauftragte Umfrageinstitut Verian hat auch Daten zu verschiedenen Formen sexueller BelƤstigung erhoben. Unerwünschte Kussversuche oder Berührungen sowie exhibitionistische Handlungen haben 14,5 Prozent der Frauen in den vergangenen fünf Jahren erlebt. Bei den MƤnnern berichteten 4,6 Prozent von entsprechenden Erfahrungen.Ā
Während Männer derartige Formen von Belästigung oft durch flüchtig Bekannte erleben (45,1 Prozent), sind es bei den Frauen häufiger Fremde (45,7 Prozent). Laut Studie haben 17,3 Prozent der Frauen und 18,8 Prozent der Männer solche unangenehmen Erlebnisse in der Schule, im Studium, in der Ausbildung oder bei der Arbeit gehabt.
Zugewanderte erleben hƤufiger Gewalt durch Partner
Menschen mit Migrationshintergrund sind den Angaben zufolge stƤrker von Gewalt durch Partner oder Ex-Partner betroffen als Menschen ohne Zuwanderungsgeschichte. Unter den Menschen mit Migrationshintergrund haben demnach in den vergangenen fünf Jahren 7,6 Prozent der Frauen und 7,4 Prozent der MƤnner kƶrperliche Gewalt innerhalb der Partnerschaft beziehungsweise durch Ex-Partner erlebt. Von den Menschen ohne Migrationshintergrund waren in diesem Zeitraum 4,3 Prozent der Frauen und 5,6 Prozent der MƤnner betroffen.Ā
Unterschiede gibt es auch bei der Art der Gewalt. WƤhrend betroffene MƤnner etwas hƤufiger als Frauen von einer leichten Ohrfeige berichten, geben Frauen hƤufiger als MƤnner an getreten oder gestoĆen worden zu sein. Eine Person hat einen Migrationshintergrund im Sinne der Studie, wenn sie selbst oder mindestens ein Elternteil die deutsche Staatsangehƶrigkeit nicht durch Geburt besitzt.
Wer ist von Frauen betroffen?
Quelle: Stern
















