Leni, 21, ist die erste. Schon fünf Minuten vor der vereinbarten Zeit für das GALA-Video-Interview erscheint sie auf dem Bildschirm und grüĆt gut gelaunt aus ihrem Apartment in New York. Kurz darauf loggt sich auch Heidi Klum, 52, ein. Sie sitzt im Wohnzimmer ihrer Villa in Los Angeles vor einem Bauernschrank, an dessen Griff ein buntes Lebkuchenherz hƤngt ā Ćberbleibsel ihres Münchner Wiesn-Events āHeidiFestā im Oktober. WƤhrend Mutter und Tochter sich über die Wetterlage in New York austauschen und Leni per Kamera den Schnee vor ihrem Haus prƤsentiert, nimmt Henry, 20, neben Heidi Platz. Hƶflich entschuldigt er sich für die kleine VerspƤtung; auf dem Highway habe es einen Stau gegeben.Ā
Bei Klums steht mal wieder viel an. Gerade ist Staffel 21 von «Germanyās Next Topmodel» angelaufen, auĆerdem dürfen sich die Zuschauer auf eine TV-Doku freuen, die Heidi, Leni und Henry im Arbeitsalltag begleitet: Heidi Klum ist nach wie vor eines der gefragtesten Models der Welt (zum Beispiel für LāOrĆ©al Paris), und ihre Ƥltesten Kinder treten in Mamas FuĆstapfen. Leni ist seit über fünf Jahren erfolgreich dabei, Henry hatte sein Laufsteg-Debüt vor einem Jahr.
Familie Klum: Modeln als Familienangelegenheit
GALA: Liebe Leni, lieber Henry, erinnern Sie sich, was Sie von Ihren ersten Gagen gekauft haben?
Henry: Ich glaube, ich habe mir neue Klamotten gekauft. Aber eigentlich versuche ich, mein Geld zu sparen und dann eher mal etwas GroĆes zu kaufen.
Leni: Ich erinnere mich nicht mehr ā wahrscheinlich habe ich mir damals nur eine Kleinigkeit gekauft und den Rest aufs Konto gepackt. Ich bin auch eher der Spar-Typ und schaffe nicht gern Sachen an. Ganz im Gegensatz zu meiner Mutter. (lacht)
Heidi: Es ist verrückt, dass Leni so ist. Das hat sie nicht von mir! Ich kaufe gern Sachen und bin eine Sammlerin; ich behalte alles für den Fall, dass ich es irgendwann noch mal brauchen könnte. Vielleicht hat Leni auch mitbekommen, wie sehr mich meine Sammelleidenschaft manchmal stresst, und ist dann genau deshalb ganz anders geworden. (lacht)
Jetzt sind Sie, Leni und Henry, Models. Erinnern Sie sich denn noch an Ihren Berufswunsch als Kind?
Leni: Als kleines Kind wollte ich unbedingt Ballett-Lehrerin werden, weil ich damals sehr viel getanzt habe. Aber so mit elf wusste ich dann, dass ich Model werden möchte: Ich sah, wie viel Spaà meiner Mutter ihre Arbeit machte, und das hat mich inspiriert.
Henry: Ich wollte immer Basketballspieler werden, generell war alles rund um Sport mein Ding. Aber ich hatte auch schon früher ein Faible für Mode und fand es cool, mich durch Klamotten ausdrücken zu können.
Die Dokumentation «On & Off the Catwalk» gewƤhrt Einblicke in Ihr Model-Leben und führt die Zuschauer hinter die Kulissen. Warum mƶchten Sie Ihren Arbeitsalltag mit der Ćffentlichkeit teilen, Heidi?
Heidi: Wir mƶchten den Leuten die Mƶglichkeit geben, mal das zu sehen, was sie sonst nie sehen. Sonst wird ja immer nur das Endergebnis ƶffentlich, etwa ein tolles Foto, eine Werbung oder unsere Halloween-Kostüme ā aber nie der Entstehungsprozess dieser Momente. Ich hoffe, dass die Zuschauer unsere Arbeit durch diese Einblicke besser verstehen, uns besser kennenlernen und auch die Verbindung zwischen mir und meinen Kindern spüren.
Leni, Henry, mit welchen Herausforderungen im Job kƤmpfen Sie noch?
Leni: Etwas, an das ich mich bei meiner Arbeit in der Branche erst gewƶhnen musste, ist, dass jeder eine Meinung zu mir hat und diese Meinung auch ƤuĆert. Es wird immer jemanden geben, der auch Negatives über mich sagt. Damit muss ich klarkommen und darf das nicht zu sehr an mich ranlassen.
Henry: Für mich war es anfangs schwer, mich am Set oder bei Fotoshootings wirklich wohlzufühlen, weil das alles ganz neu für mich war. Klar, für Familienfotos habe ich schon oft posiert. Aber mit einem professionellen Fotografen zu arbeiten, war dann doch etwas ganz anderes. Diese Unsicherheit zu überwinden, war echt herausfordernd für mich.
Wie haben Sie das geschafft?
Henry: Meine Mutter und auch Leni haben mich immer motiviert und bestƤrkt, das hat mir sehr geholfen.
Das gibt Heidi Klum ihren Kindern mit auf den Weg
Leni, Ihre Mutter ist bekannt für ihre gute Laune und ihre Pünktlichkeit. Spüren Sie einen gewissen Druck, genauso zu sein wie sie?
Leni: Nein, gar nicht. Die Pünktlichkeit habe ich sowieso von meiner Mama geerbt, ich komme nie zu spƤt! (lacht) Und gute Laune habe ich auch immer, wenn ich zur Arbeit komme ā weil ich mich auf den Job freue.
Macht das Interior-Design-Studium in New York genau so viel SpaĆ?
Leni: Ehrlich gesagt bin ich froh, dass es bald zu Ende ist. Lesen, Tests schreiben, für Prüfungen lernen ā alles okay, aber meine Arbeit erfüllt mich einfach mehr. Nach meinem Abschluss im Mai konzentriere ich mich dann erstmal voll aufs Modeln.
Heidi, wie sehr sind Sie in die Karrieren Ihrer Kinder involviert?
Heidi: Meine Kinder setzen mich nicht bei jeder E-Mail in Kopie, und sie rufen mich auch nicht bei jedem Angebot an, das eintrudelt. Sie machen da ihr eigenes Ding und gehen ihren Weg. Natürlich bin ich immer da, wenn sie Fragen haben. Manchmal kriegen sie aber auch Ratschläge, egal, ob sie wollen oder nicht! (lacht)
Heidi, Ihre Kinder wirken sehr selbstbewusst. Wie schafft man es als Mutter, den Nachwuchs zu souverƤnen Menschen zu erziehen?
Heidi: (nachdenklich) Ist das wirklich mein Verdienst?
Henry: Ja, klar!
Leni: Ich glaube, wir sind so geworden, weil wir mit einer selbstsicheren Mutter aufgewachsen sind. Das haben wir bewundert, und es hat uns geprƤgt.
Und wann ist Ihnen klar geworden, dass Ihre Mutter ein Weltstar ist?
Henry: Ich glaube, das war in der Schule, wenn meine Mutter zu Veranstaltungen kam und alle tuschelten, oh mein Gott, guck mal, da ist Heidi Klum. So richtig verstanden habe ich aber damals nicht, warum alle den Namen meiner Mutter wussten, und was genau sie beruflich macht.
Heidi: Aber ihr wusstet doch, dass ich unter anderem für eine Fernsehshow arbeite. Ihr wart doch oft mit am Set von «Project Runway» ā¦
Henry: Trotzdem habe ich als Kind doch nicht verstanden, dass du deshalb berühmt bist!
Leni: Genau, ich dachte damals, okay, die Mutter meiner Freundin arbeitet in der Buchhaltung, und meine Mutter arbeitet eben bei einer Fernsehshow, für mich waren das einfach zwei Jobs. Ich glaube, ich habe realisiert, dass bei uns irgendwas anders ist, als ich mal mit meiner besten Freundin unterwegs war und sie sich wunderte, warum uns so viele Fotografen folgen. Ich habe dann zu ihr gesagt, wieso, das ist doch immer so! Als ich sie dann mal besucht habe und merkte, dass vor ihrem Haus keine Paparazzi stehen, hat es bei mir Klick gemacht. (lacht)
Diese Eigenschaften schreiben Leni und Henry ihrer Mutter Heidi zu
Wie würden Sie Ihre Mutter in drei Worten beschreiben?
Leni: Okay, erst drei ernsthafte Begriffe: Sie ist klug, sie ist eine Multitaskerin und eine Problem-Lƶserin. Und jetzt noch drei witzige Begriffe: Mama ist eine Sammlerin, eine Suppenkƶchin und eine Profi-In-der-Sonne-Brutzlerin.
Henry: Meine Wƶrter sind: liebevoll, empathisch und extrovertiert.
Heidi: Wie schƶn, ich liebās!
Und wie cool ist Ihre Mutter? Auf einer Skala von 1 bis 10?
Henry: Manchmal ist sie die uncoolste Person der Welt und manchmal die coolste.
Leni: Das stimmt. Wenn sie richtig cool ist, dann ist sie eine 12!
Wann ist sie denn richtig uncool?
Henry: Zum Beispiel, wenn wir im Taxi oder in einem Restaurant sitzen und ihr Handy plƶtzlich total laut klingelt. Auch peinlich: wenn sie mit maximaler LautstƤrke irgendwas anhƶrt oder anschaut.
Leni: Okay, das ist jetzt nicht unbedingt uncool, aber sehr lustig: Meine Mutter hat die SchriftgrƶĆe auf ihrem Telefon auf riesengroĆ gestellt, und wenn sie eine Nachricht tippt, dann sieht man auf dem Bildschirm immer nur ein Wort. (kichert)
Was ist typisch deutsch an Ihrer Mutter?
Leni + Henry: Das Essen, das sie uns kocht!
Was kocht sie denn so?
Henry: Gebratene Spaghetti mit Ei und Ketchup.
Heidi: Also das ist jetzt nicht unbedingt typisch deutsch, aber gut. (lacht)
Henry: Und deine Apfelpfannkuchen sind sehr lecker!
Leni: Ich mag am liebsten Mamas Hühnersuppe ā und ihr Gulasch.
Haben Sie beide denn irgendwelche typisch deutsche Eigenschaften von Ihrer Mutter geerbt?
Leni: Meine Pünktlichkeit.
Henry: Ich bin typisch deutsch, wenn es ums Essen geht. Ich mag deutsches Essen echt gern.
Heidi: Ja, Henry liebt Schweinshaxe, Würstchen und all diese deftigen Sachen.
Heidi Klums Kinder gehen ihren eigenen Weg
Nicht nur Leni und Henry sind bereits ausgezogen, sondern mittlerweile auch Ihr drittältester Sohn Johan. Wie ist das für Sie, Heidi, wenn das Nest immer leerer wird?
Heidi: Tja ⦠Wir haben diesen riesengroĆen Esstisch bei uns zu Hause, und mittlerweile sitzen da nur noch Lou, Tom und ich. Henry kommt etwa zweimal in der Woche vorbei und die anderen beiden, die ja in New York leben, ab und zu.
Henry: Ich bin gern zu Besuch, um meiner Schwester Lou Gesellschaft zu leisten. Es ist schon schwer für sie: Wir vier Geschwister stehen uns sehr nah, und plötzlich sind drei aus dem Haus und sie ist Einzelkind. Ich vermisse Lou, und ich vermisse unser Zusammenleben als Familie.
Heidi: Wir haben auch immer richtig gut funktioniert als Familie, auch Henry und Johan als Brüder sind super miteinander klargekommen. Man sagt ja immer, Jungs seien oft wild und streiten sich viel, aber das haben Henry und Johan nie gemacht.
Welche Familien-Traditionen mochten Sie besonders gern und übernehmen sie jetzt in Ihr neues Leben, Leni und Henry?
Henry: Das mit den SüĆigkeiten und Geschenken im Stiefel zu Nikolaus fand ich immer super, diese Tradition würde ich auf jeden Fall auch mit meiner eigenen Familie, mit meinen Kindern weiterführen. Und vielleicht ein paar Rezepte: das für unseren Gurkensalat und das für Gulasch. (lacht)
Leni: Ich würde die Tradition mit den Familien-Grillpartys übernehmen. Als ich noch zu Hause gewohnt habe, haben wir immer sonntags alle zusammen gegrillt. Es gab Würstchen, Salate, und wir haben im Garten und am Pool abgehangen. Unsere Familien-Hühnersuppe koche ich mir jetzt schon selbst! Ich friere sie auf Vorrat ein; dann kann ich immer schnell eine Portion warm machen, wenn ich Appetit darauf habe. Mit Gulasch mache ich das genauso.
Heidi: Ich finde es toll, dass meine Kinder selbst kochen. Wahrscheinlich, weil sie zu Hause erlebt haben, dass ich oft koche ā und auch, was ich koche. Mit vielen Zwiebeln, mit viel Knoblauch. Ich bevorzuge frische, selbst zubereitete, gesunde Gerichte.
Zurzeit essen Sie aber auch gern Chips, Heidi, oder?
Heidi: Ja, ich liebe Chips! Es muss ja nicht den ganzen Tag lang gesundes Essen sein. Zwischendurch kann man sich auch mal Chips gƶnnen.
Eine liebevolle Patchwork-Familie
Wie war es für Sie, Leni und Henry, in einer groĆen Patchwork-Familie aufzuwachsen?
Henry: Ich finde, wir hatten groĆes Glück, in so einer Familie groĆ zu werden. Ich bin sehr dankbar dafür.
Leni: Da stimme ich meinem Bruder zu. Ich bin in einer sehr liebevollen Familie aufgewachsen, und ich bin froh, viele Geschwister zu haben. Wir stehen uns alle sehr nah, auch den GroĆeltern, Cousinen, Nichten, Neffen. Ich liebe unsere Familie!
Mit Tom Kaulitz haben Sie einen recht jungen Stiefvater. Was sind die Vorteile?
Henry: Tom und ich haben Ƥhnliche Interessen ā wir sind beide Auto-Fans!
Ihre Mutter zeigt sich gern auch mal recht freizügig. Wie ist das für Sie?
Leni: Darüber habe ich mir nie Gedanken gemacht. Wir sind mit einer Mutter aufgewachsen, die ihren Kƶrper liebt und ihn nicht versteckt. Deshalb ist es für mich auch nie komisch oder peinlich, wenn meine Mutter sich in der Ćffentlichkeit sehr sexy zeigt.
Heidi: Und ich gebe meinen Eltern die Schuld daran, dass ich bin, wie ich bin! (lacht) Meine Eltern haben stƤndig nackt im Garten gelegen und sich gesonnt ā natürlich mit Ćl auf der Haut statt mit Sonnenschutzcreme. Es ist doch schƶn, wenn man sich in seinem Kƶrper wohl fühlt und sich dessen nicht schƤmt. Das habe ich meinen Kindern weitergegeben.
Henry, gibt es etwas, das Leni viel besser kann als Sie?
Henry: Leni kann echt gut kochen. Und ich kann mich mit allen Problemen an sie wenden ā sie hat immer einen guten Rat. Leni wƤre eine gute Therapeutin. Es gibt noch so viele positive Sachen, die ich über meine Schwester sagen kƶnnte, aber das würde wohl den Zeitrahmen sprengen.
Leni: Oh, wie nett von dir, Danke!
Und Leni, was hat Ihr Bruder besser drauf als Sie?
Leni: Wenn Henry einen Raum betritt, geht die Sonne auf. Er hat so ein Charisma, so eine tolle Energie, dafür bewundere ich ihn. Das habe ich nicht.
Heidi: Doch, du hast das auch, Leni, auf deine Weise. Leni und Henry stehen sich so nah, sie sind ja nur 16 Monate auseinander und fast wie Zwillinge groĆgeworden. Es ist so schƶn zu sehen, dass diese enge Verbindung geblieben ist. Vor allem, wenn ich eines Tages mal nicht mehr da bin ā dann haben sie immer noch einander.
Heidi, was machen Sie denn jetzt mit den drei leerstehenden Kinderzimmern?
Heidi: Der Inhalt meines Kleiderschranks ā und es ist ein sehr groĆer Schrank ā breitet sich nach und nach immer weiter in diese Zimmer aus. (lacht) Ich weiĆ auch, dass das nicht ewig so weitergehen kann, und dass ich dringend ausmisten muss. Und irgendwann werde ich wohl oder übel akzeptieren müssen, dass meine Kinder nicht mehr in unser Haus zurückkommen. Erst dann werde ich ihre Zimmer wirklich umfunktionieren. Vielleicht richte ich ja noch eine weitere Küche ein, in der ich dann ganz in Ruhe meine Suppen kochen kann!